And She Was Like: BÄM!
Newsletter #33: November 2019


Liebe BÄM!-Freund*innen,

wie sah Eure Designausbildung aus? Was hätte anders sein können/sollen/müssen? Falls Ihr heute selbst in der Lehre tätig seid, wie und was unterrichtet Ihr? Und warum?
Wie seht Ihr Euch als Lehrende? Welches Verhältnis habt Ihr zu Euren Studierenden?

Die kritische Auseinandersetzung mit Lehre und Vermittlung von Design kam bei uns – Anja Neidhardt und Lisa Baumgarten – mit den ersten Lehraufträgen.

In der Gestaltung kommen Lehrende meist aus der Praxis und bringen daher kaum didaktische oder pädagogische Vorkenntnisse mit. Genauso auch bei uns. Unser Erfahrungsschatz ist beziehungsweise war vor allem geprägt durch unsere eigene Ausbildung, Praktika, das Arbeiten in Unternehmen und/oder als Freelancerin. Selten wird in solchen Kontexten gefragt: Welche Werte unterliegen meiner/deiner/unserer Arbeit eigentlich? Wir finden: Eine wichtige Voraussetzung, um in die Lehre zu gehen, aber auch, um als junge*r Gestalter*in ins Berufsleben einzutreten.

Wie Design unterrichten?

Während Anja sich im Zuge ihres Lehrauftrags für Designtheorie die Fragen stellt: „Welche Designgeschichte? Welche Theorien? Wie soll dieser Unterricht aussehen?“, hadert Lisa im Rahmen ihres Lehrauftrags für Typografie mit der Balance von praktischen Skills und kritischem Denken innerhalb der institutionellen Realität des Studiums. Können wir ohne eine kritische Auseinandersetzung mit Design und Designgeschichte eine eigene Haltung zu Design entwickeln und vermitteln, die den Kanon neu definiert?

Uns persönlich geht es in der Designausbildung vor allem um die Vermittlung von Werten. Es gibt keine neutrale Gestaltung und auch keine neutrale Designgeschichte: Design ist politisch.

Designgeschichte ist immer eine Auswahl, eine Entscheidung, genau diesen einen Aspekt – und nicht den anderen – so aufzuschreiben, und nicht anders. Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis ist der Kanon nicht neutral. Er hält den aktuellen Stand aufrecht und reproduziert Ungleichheiten in unserer Gesellschaft.

Wenn wir den aktuellen Stand verändern wollen, können wir uns von Werten wie Gerechtigkeit und Demokratie leiten lassen.

Teaching Design

Auf die Designlehre bezogen bedeutet das für uns, dass wir auch die Form unserer Lehre kritisch betrachten müssen: Es reicht nicht, theoretisch darüber zu sprechen, Hierarchien abbauen zu wollen, wir müssen auch praktische Alternativen zum traditionellen Unterrichtsmodell entwickeln und anwenden.

Wir wollen Designlehre anders denken. Unser Projekt Teaching Design ist der Startpunkt für einen Dialog und einen kollektiven Prozess: Seit Juni diesen Jahres sammeln und teilen wir Quellen mit intersektional-feministischer und dekolonialer Perspektive zu Designlehre. Wir publizieren diese auf Instagram in einer visuellen Bibliografie, mit Einreichungen aus Feldern wie Designtheorie, Pädagogik, Soziologie, Kunst und Anthropologie.

Ihr seid herzlich eingeladen, unserem Open Call zu folgen und Teaching Design mitzugestalten. Schickt uns Eure Quellen! Wie das genau geht, erfahrt ihr auf Instagram @teaching.design

Anja und Lisa
With Anja Neidhardt.

And She Was Like: BÄM! 

And She Was Like: BÄM! is an initiative of young women from the world of Art and Design in the Rhineland. And She Was Like: BÄM! stands for a contemporary feminism – which does not follow any dogma – as well as polyphony and diversity, uniting genders and generations.